Eintagsküken und andere Futtertiere

Die Verfütterung ganzer Beutetiere gehört wohl zu einer der kontroversesten Diskussionen in der Katzenhaltung. In der Regel kennt man hier Eintagsküken oder Mäuse, aber auch Wachteln oder Ratten kann man durchaus verfüttern.

 

Während die einen vielleicht sagen „Du kannst doch keine Küken füttern!“ halten die anderen mit „naturnahem Futter“ dagegen.

Ist es aber nun barbarisch? Setzt man den Katzen lebende Tiere vor die Nase? Oder ist es das Beste, was du machen kannst?

 

Zuerst einmal sei gesagt, du musst keine ganzen Beutetiere füttern, wenn du nicht möchtest. Weder bei der Rohfleischfütterung (BARF) sind sie ein Muss, noch als Ergänzung zum Fertigfutter.

Für Katzen kann es eine willkommene Abwechslung sein, ein besonderer Snack, der aus einer Samtpfote ein Raubtier machen kann.

 

Kükenfütterung und Tierschutz

Unsere Eintagsküken sind die männlichen Tiere aus der Industrie. Während Weibchen Eier legen oder als Masthähnchen verwendet werden, sind die männlichen Tiere nutzlos und werden entsorgt. Gut wäre hier natürlich eine andere Entwicklung, entweder die Aufzucht oder aber das Einführen einer Geschlechtsidentifizierung während der Bebrütung. Bis es aber soweit ist, werden Küken so oder so im Futter landen.

 

Im Tierschutzgesetz ist ganz klar verankert, dass kein Tier – weder Heimtier noch Futtertier – ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen. 

Somit dürfen Katzen keine lebenden Wirbeltiere gefüttert werden.

 

Das Töten von Wirbeltieren benötigt eine Sachkunde, zugelassen ist es nur unter Betäubung oder Vermeidung von Schmerzen. Bei Futtertieren wird hier meistens die Tötung mit CO2 (Kohlenstoffdioxid) gewählt.

Kohlenstoffdioxid ist das gleiche Gas, was auch wir in unserer Atemluft haben. Es kommt in geringer Konzentration natürlicherweise in der Luft vor und unsere Atemluft bei der Ausatmung hat eine leicht höhere Konzentration.  Kommt es zu einem vermehrten Anstieg von CO2 treten Bewusstlosigkeit und Atemstillstand ein.

Da das Gas Kohlenstoffdioxid sich schnell verflüchtigt, ist sein Einsatz unbedenklich und hinterlässt keine Rückstände. Somit ist die Fütterung von diesen Küken ungefährlich.

 

Dazu kommt, Küken, die nicht mit Gas getötet werden, werden oftmals lebendig „geschreddert“ und landet als % Huhn im Tierfutter – Futtertiere werden die Küken so oder so.

 

Kükenfütterung in der Praxis

Küken und andere Futtertiere können problemlos schon kurz nach der Futterfestigkeit angeboten werden, also ab der 4-6ten Lebenswoche etwa.

Bei der Nährstoffzusammensetzung musst du beachten, dass die Futtertiere in Gefangenschaft nicht so ernährt und gehalten werden, wie ihre wildlebenden Artgenossen. Dadurch ist ihre Nährstoffzusammensetzung anders und auch eventuelle Belastungen mit Medikamenten spielen eine Rolle. Daher empfehle ich nicht ein Haustier ausschließlich mit Futtertieren zu ernähren.

 

Sicherlich hast Du bereits gelesen, dass Deine Katze pro Wochen nur eine bestimmte Anzahl an Küken verfüttert werden soll. Wird mehr gegeben, soll der Dottersack ausgedrückt werden um eine Überdosierung von Vitamin A zu verhindern. Du musst aber auch wissen, dass Katzen eine unglaublich hohe Toleranz über ihren Vitamin A Bedarf hinaus haben. Es entstehen keine Symptome einer Vitaminüberversorgung. Somit besteht auch bei der täglichen Fütterung von 1-2 Küken kein Handlungsbedarf hinsichtlich des Dottersacks ausdrücken.
 

Ich empfehle Dir eine niedrige Fütterungsmenge an Küken aus einem ganz anderen Grund: Katzen werden zu Kükenjunkies. Durch die häufige Gabe von Küken kann es passieren, dass Deine Katzen ihr anderes Futter verweigert. So entsteht ein Problem, das vermeidbar ist. Meinen Kunden spreche ich daher die Empfehlung aus nur 1 bis 2 Küken pro Woche zu geben. So bleiben Futtertiere eine stets willkommene Abwechslung und ein toller Snack, auf den sich Katze immer freut.

 

Wenn du dir vorstellst, dass so ein kleines niedliches Kitten (im Bild zu sehen der damals 10 Wochen alte Yankee Cats James Bond) zu einem kleinen Raubtier werden kann, sei gewiss – das kann wirklich passieren.

Knurren, Beute schleppen und Spielen vor dem Fressen ist absolut normal. Die Katzen können durchaus die Flugtauglichkeit von Beutetieren überprüfen – zumindest scheint es so. Aber auch das ist ein völlig natürliches Verhalten.

Geschickt ist es, die Küken dort zu füttern wo Boden und ggf. Wände einfach zu reinigen sind. Beispielsweise im Bad oder, wenn vorhanden, auf Terrasse oder Garten.
 

Und wenn meine Katze das Küken nicht frisst?
Ganze Beutetiere sind etwas anderes, wie das normale Futter. Manchen Katzen muss man erst verständlich machen, dass das gefiederte Spielzeug auch Futter ist. Es kann helfen, das Küken etwas anzuschneiden (kleiner Tipp: im gefrorenen Zustand ist es einfacher, dann entleert sich auch nicht der Dottersack oder andere Körperflüssigkeiten).
Ein weiterer Tipp kann sein das Küken mit einer beliebten Schleck-Paste vorsichtig einzureiben. 

 

Gegen Küken (und andere Futtertiere) als Leckerlie spricht also nichts, außer vielleicht das eigene Gefühl. Es ist aber wie bei vielem: man gewöhnt sich daran.
Ich erinnere mich an mein erstes Mal Küken anbieten. Ich konnte kaum hinsehen, geschweige denn das Küken anfassen. Eine Freundin musste mir “helfen” und meinen Katzen die Küken anbieten. 

Danach habe ich eines ohne Hilfe meiner Freundin gegeben. Eine alte Zange war meine Unterstützung, damit ich das Küken nicht anfassen musste. Und schrittweise habe ich mich immer mehr herangetastet, bis ich sie anfassen konnte. Erst im gefrorenen Zustand und nur ganz vorsichtig mit zwei Fingern am Flaum gegriffen, dann fester gegriffen.
 

Ich füttere sie recht selten, denn hier sind sie gar nicht so beliebt wie in manchen anderen Haushalten, aber anfassen kann ich sie inzwischen auch problemlos.