FIP - Feline infektiöse Peritonitis

Ich glaube, wenn man mich in einem unerwarteten Moment fragt was ich über FIP denke, könnte ich durchaus "FIP ist ein Arschloch" antworten.

 

FIP ist die Abkürzung für "feline infektiöse Peritonitis" und beschreibt eine sehr hässliche Krankheit bei den Katzen, bei denen es leider immer noch beinahe mehr Fragen als Antworten gibt.

Fest steht, sie entsteht durch die Mutation des eigentlich harmlosen Corona-Virus und galt bisher immer als absolut tödlich verlaufende Erkrankung. 

 

Mit Coronaviren hatte fast jede Katze bereits Kontakt. Verschiedene Quellen liefern unterschiedliche Zahlen, so etwa zwischen 50-90% aller Tiere hatten bereits einmal Kontakt zum Virus.Einzelkatzen sind hier seltener betroffen als Katzen in Mehrkatzenhaushalten (dies sollte bitte aber kein Grund zur Einzelhaltung sein).

In den allermeisten Fällen weiß man nicht mal, dass seine Katze einmal Kontakt dazu hatte.

 

Symptome sind, wenn überhaupt welche auftreten, zumeist leichte Durchfälle, Fressunlust, Fieber und auch mal Schnupfen.

 

Die Diagnose des Coronavirus erfolgt entweder über eine Kotuntersuchung (hierbei ist ein einzelnes negatives Ergebnis aber nicht bestätigend, dass die Katze keine Coronaviren ausscheidet) oder über eine Blutuntersuchung. Hier wird der Titer bestimmt, also ob eine Katze Antikörper gegen die Coronaviren im Blut hat.

 

Aber Vorsicht! Dieser gern genannte "FIP-Titer" sagt nicht aus, ob die Katze FIP hat oder überhaupt mal daran erkranken wird! Er zeigt lediglich, ob die Katze Kontakt zu dem harmlosen Coronavirus hatte! Nicht mehr und nicht weniger!

 

 

Wie, wann und warum das Coronavirus mutiert ist bis heute nicht restlos geklärt. Es werden verschiedene Faktoren wie Alter, Freigang, Stress, Geschlecht, Rasse und andere diskutiert, manche sind wahrscheinlicher als andere.

Als sehr wahrscheinlich gilt, dass ein geschwächtes Immunsystem eine große Rolle spielt ob das Coronavirus mutiert oder nicht.

 

Beschrieben werden bei der FIP zwei Verlaufsformen.

 

Die feuchte Form zeigt sich durch eine deutliche Wassereinlagerung in Bauch- und/oder Brusthöhle, während die trockene Form sich vor allem durch Veränderungen der inneren Organe, Augen und des Nervensystems zeigt - oft jedoch sind sie Einstufungen auch irgendwo dazwischen und es sind Mischbilder vorhanden.

Einhergehend mit beiden Formen sind jedoch unspezifische Symptome wie Fressunlust, resistenten Fieber und Gewichtsverlust.

 

Die Diagnostik sollte umfassend sein - es gibt immer noch viel zu viele Fälle, die ohne ausführliche Untersuchungen mit FIP abgestempelt wurden und keine waren.

Im Prinzip ist es beinahe komplett eine Ausschlussdiagnose - das bedeutet andere Krankheiten werden ausgeschlossen und so die Verdachtsdiagnose FIP erhärtet.

Hierzu gehören neben der Allgemeinuntersuchung eine komplette Blutuntersuchung (Blutbild, Organparameter, Elektrophorese, Titer auf Coronavirus, FeLV (felines Leukämievirus) und FIV (felines Immunschwächevirus = Katzenaids) auch die Punktion der Wassereinlagerung (wenn vorhanden)

Einzig die seit einigen Jahren mögliche PCR aus Punktat oder Biopsiematerial ist ein direkter Nachweis.

 

Und dann - lange Zeit war hier klar die Katze stirbt. Und das über einen eher kurzen als einen langen Zeitraum.

 

Seit 2019 gibt es die Studie von Dr. Pedersen aus den USA zum Medikament GS-441524, welches sich als wirksame Therapie gegen die FIP zeigt. Da das Medikament noch nicht zugelassen ist, müssen betroffene Halter das Medikament selbst besorgen und der Katze verabreichen bzw. spritzen. Tierärzte dürfen es leider nicht, die Behandlung begleiten dürfen sie allerdings. Es ist auch wichtig, denn regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten gemacht werden. Im deutschsprachigen Raum wird hier die Facebookgruppe "FIPfree" immer größer und auch dort gibt es bereits Erfolge

Einen Nachteil gibt es: Die Kosten sind nicht gering. Zusammen mit Diagnostik Verlaufskontrolle kommt hier im Verlauf der Behandlungszeit (ca. 12 Wochen) durchaus eine Summe zusammen. Dennoch freue ich mich über die Entwicklung und hoffe das in den nächsten Jahren weitere Studien dazu gemacht werden und es irgendwann zu einer Zulassung kommen wird.

 

Unsere Erfahrung mit FIP

Im November 2011 zogen Yankee und Grisu bei mir ein. Als 8 und 9 Wochen alte Kitten kamen sie aus dem Tierheim zu mir. Da eine zweite Impfung zur Grundimmunisierung noch ausstehend war, fand diese Ende November statt.

Am 1.12. fiel mir auf, dass Grisu einen ordentlichen Bauch hatte. Das Bild kannst du oben sehen. Wir waren zur Kontrolle beim Tierarzt. Werden Blähungen sein, man gab mir etwas mit. Wenn es über das Wochenende nicht besser würde, solle ich wiederkommen. Nun, ich bin wieder hin.

Ein Ultraschall wurde gemacht - freie Flüssigkeit im Bauch.

Blut wurde abgenommen, die Flüssigkeit punktiert. Alles weist auf FIP hin. 2011 gab es die PCR noch nicht - kaum mehr als wir gemacht haben konnte man zu diesem Zeitpunkt am lebenden Tier untersuchen. Wir waren zur Zweitmeinung in einer Tierklinik. Auch da konnte man mir leider nicht mehr Hoffnung geben.

 

Am 11.12. verweigerte er abends das Futter. Bis dahin fraß er immer. 

Am 12.12. haben wir Grisu schlussendlich gehen lassen  - heute vor 8 Jahren. Ich frage mich bis heute, wie er wohl wäre, mein Lackfellchen mit den zwei süßen weißen Flecken auf Brust und Bauch. Seine großen, wachsamen, gelben Augen haben mich im Tierheim sofort gefesselt.

Auch wenn wir Grisu nicht helfen konnten, so freue ich mich eben nur noch mehr, dass die Forschung nun eine Möglichkeit aufgezeigt hat. Und genau deswegen wollte ich hier davon berichten.